Der nervenaufreibende Weg zum REHA-Geld …. inkl. unerfreulichem Update.

Wer auf Grund von gesundheitlichen Problemen gezwungen ist umfassende therapeutische Maßnahmen in Angriff zu nehmen kommt in letzter Konsequenz um einen Termin bei der zb. PVA nicht umhin um ein Ansuchen auf “REHA-Geld” zu stellen (REHA-Geld ist die Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension). Die wenigsten haben so viele finanzielle Reserven, dass Zeiten ohne Arbeit einfach so überbrückt werden können. Selbst beim AMS ist einmal der Punkt da, wo nichts mehr geht.

Auf der Seite der PVA ist zum Thema REHA-Geld unter anderem folgendes zu lesen:

Rehabilitationsgeld:

Anspruch besteht dann, wenn

  • Invalidität/Berufsunfähigkeit voraussichtlich im Ausmaß von mindestens sechs Monaten vorliegt und
  • berufliche Maßnahmen der Rehabilitation nicht zweckmäßig oder nicht zumutbar sind….

Für den Laien klingt das sehr einleuchtend und als unwissender Kranker denkt man sich: ja das trifft auf mich zu. Da geh ich einmal hin und informiere mich um dann mit meinem Arzt entsprechende Schritte einzuleiten.

Hier ein Erfahrungsbericht aus der Realität – gekürzt (Gesprächsprotokoll)

Frühjahr/Sommer 2017:
Nach monatelangen körperlichen Schmerzen und massiven psychologischen Problemen (diagnostizierte Posttraumatische Belastungsstörung mit ausgeprägter Schmerzsymptomatik) führt der Weg von Peter (Name geändert) zur PVA Kärnten um den Prozess des REHA-Geldes einzuleiten. Es folgt ein Termin beim Gutachter der PVA. Sämtliche Befunde wurden aufgenommen und ohne einer eingehenden Untersuchung oder einem psychologischen Gespräch endete dieser Termin bereits nach knapp 15 Minuten – in der Vorladung wurde von bis zu 2 Stunden Untersuchungsdauer geschrieben.
Nach 2 Monaten kommt ein ablehnender Bescheid in dem das gesamte psychologische Krankheitsbild nicht einmal erwähnt oder angeführt wird.  Im Herbst 2017 wird gemeinsam mit der Arbeiterkammer fristgerecht eine Klage/Einspruch eingereicht. Soweit so richtig.

Was nun folgte waren insgesamt 5 Termine bei Gutachtern, die sich vom Frühjahr 2018 bis in den Sommer 2018 zogen.
Von Kopf bis Fuß wurde alles (teilweise mehrfach) untersucht, aufgezeichnet und bewertet. Von Röntgenuntersuchungen bis hin zum Test der  Nervenleitgeschwindigkeit in den Füßen und Belastungs-EKG war alles dabei.
Trauriger Höhepunkt war sicherlich der Besuch beim psychologischen Gutachter, der auf Ausführungen zum Ist-Zustand lapidar entgegnete “das interessiert mich nicht” oder zur PTBS  verharmlosende und unglaubliche Aussagen tätigte wie “Menschen bringen sich um – das ist nicht Besonderes”. Erwähnenswert ist auch der Umstand, dass dieser Gutachter auch im LKH tätig ist … Überlegungen bei der Ärztekammer Beschwerde gegen ihn einzureichen wurden vom Psychotherapeuten, der Peter betreut, als sinnvoll bezeichnet. Auf die Frage, ob er dies noch macht antwortete Peter resignierend  “es kommt ja eh nichts dabei raus” und ist nur noch eine weitere Belastung für ihn.

Jetzt haben wir September und es gibt noch immer keinen Gerichtstermin ….. beinahe ein Jahr dauert nun schon der Einspruch gegen den Bescheid der PVA. Mehr als 2 Jahre dauert jedoch schon der Leidensweg und selbst nach über 9 Monaten Wartezeit gibt es noch immer keinen (kostenlosen) Therapeuten über eine der bekannten Institutionen (Charitas/AVS/ProMente).

UPDATE 15. 11. 2018
Bei Gericht wird die Klage zurückgelegt, da noch immer leichte Tätigkeit ausgeübt werden kann und es in dieser Art rund 100 Jobs in Österreich gibt (sagt zumindest der Anwalt der PVA). Termin mit Psychologin gibt es auch endlich einen.

Was bedeutet diese kurze Geschichte, die wir auf jeden Fall weiter verfolgen werden, für alle betroffenen Personen, die auch einen ähnlichen Weg gehen wollen/müssen?

In Österreich haben wir ein Sozialsystem in dem keiner ohne Hilfe gelassen wird (zumindest wird es so propagiert), doch in der Realität schaut es doch oft ganz anders aus. Drogensüchtige Jugendliche bekommen zb. Therapie und Geld wesentlich leichter während jahrelang arbeitende Menschen im Fall des Falles viel Kraft und Energie aufwenden müssen um ähnliches zu erhalten. Menschen mit Alkoholsucht werden anders behandelt als Menschen mit psychischen Krankheiten – oft mehr als unverständlich und in SH-Gruppen (Selbsthilfe Kärnten, Selbsthilfe Österreich) wird über diese “Ungerechtigkeit” regelmäßig berichtet und geredet. Sollte nicht jeder gleich behandelt werden? Haben nicht alle ein Anrecht auf eine entsprechende Hilfe??

Wer sich auf den Weg macht, der braucht viel Geduld und auch Kraft um wieder auf die Beine zu kommen – nicht nur wegen der Krankheit selbst sondern auch wegen der Bürokratie. Die verantwortlichen Politiker haben offensichtlich von der Realität keine Ahnung und verlassen sich auf das, was ihnen von den Beamten zugetragen wird – die letztlich alle wieder gut dastehen wollen (und vermutlich nur selten Misstände oder Dringlichkeiten wirklich aufdecken – oder eben kuschen wie es im Volksmund heißt).
Therapie und Nachbetreuung im Bereich der Seelischen Gesundheit hinkt noch immer massiv hinter zb. der angebotenen Nachbetreuung bei Herz-Kreislauferkrankungen nach. Selbst ein Beinbruch wird besser nachbehandelt als eine Depression oder psychische Störung …. es fehlt überall an entsprechender Nachbetreuung bzw. wurde davon in keinem der zahlreichen Gespräche mit betroffenen Menschen berichtet – es gibt also mehr als genug zu tun!

Wer ähnliches erlebt hat kann seine Geschichte gerne (auch anonym) senden. Je mehr veröffentlicht wird, desto eher die Chance auf eine langfristige Veränderung!

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