Anonym zugesendet am 24. 11. 2017 über tellonym.me/Hoffnungsschimmer

Hallo!

Ich bin 26 Jahre alt und habe von dem Projekt auf Facebook gelesen und mich nach ein wenig Überlegung und Rücksprache mit meinem Freund dazu entschlossen euch ein paar Zeilen zu schicken.

Seit knapp einem Jahr leide ich unter einer Depression, die erst (von mir) als Burnout gedeutet wurde, doch dann von meinem Hausarzt als eine Depression erkannt wurde – und das auch nur, weil ich offen war und gesagt habe, was los ist.

Monatelang hab ich mich gut versteckt hinter meiner Maske, die die stets fröhliche und spaßige Kollegin zeigte, doch im Sommer ging es dann nicht mehr. Die extremen Schlafstörungen und die Antriebslosigkeit, die Stimmungsschwankungen und der Null Bock auf nichts konnten nicht mehr überspielt werden. Die “Kopf hoch” und “bist ja nur überlastet – nach dem Urlaub geht´s schon wieder” Sprüche nervten nur und zogen mich noch mehr hinunter; es vergeht nicht von alleine und der Urlaub ….. der machte es nur noch schlimmer. Es war wirklich sehr traurig – am Stand zu sitzen und weinen müssen, weil alles rund um einen zusammen bricht. Statt der Sonne sah ich nur, dass meine ach so heile Welt nur ein erfundenes und gewünschtes Gebilde war/ist. Mein Partner hat mich so lange mit Fragen überschüttet, bis ich in Tränen aufgelöst zu reden begann …… es war eine lange Nacht, doch ich bin heute noch dankbar dafür, dass er mich so “gedrängt” hat.

Nach dem Urlaub ging ich mit ihm zum Hausarzt, der mich seit 5 Jahren kennt. Es war alles andere als leicht ihm zu sagen, was wirklich los ist und was in der Vergangenheit passiert ist. Was mich so runter zieht und wie ich mich fühle. Die wiederkehrenden Alpträume, die körperlichen Schmerzen (Unterleib und Brustbereich) und dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Wut, der Trauer und der nachlassenden Lebensfreude bzw. Lebenswille….. Es ist selbst jetzt schwer für mich das so zu schreiben weil mich das Erlebte sofort einholt und ich gleich wieder zu flennen beginne.

Mein Arzt gab mir die Adresse einer Psychologin, die er gut kennt und bei Ihr bekam ich gleich einen Termin (es ist mir finanziell möglich und ich weiß wie lange andere leider auf einen Therapieplatz warten müssen). Es war sehr anstrengend und nach dem 1. Gespräch war ich völlig geschafft und aufgelöst, doch nach weiteren Sitzungen und Medikamenten, die mich unterstützen ging es mir schon etwas besser. Meine Ressourcenliste wächst langsam und auch die Entspannungsübungen helfen gut. Ich hab sogar mit Meditation begonnen. Es ist sicherlich noch ein langer Weg, bis sich die “Normalität” einstellt. Ich werde noch etwas Zeit brauchen, bis ich in der Lage bin wieder zu arbeiten, doch mit Hilfe meines Umfeldes und den Gesprächen mit der Psychologin wird das sicher gelingen.

Es ist dies zwar nur ein kleiner Auszug meines Lebens und meiner Geschichte, doch näher erläutern und erzählen möchte ich dann doch nicht. Ihr könnt meine Geschichte gerne veröffentlichen – vielleicht erkennt sich ja jemand darin wieder und versucht wieder normal leben zu können. Viel Erfolg und Danke für die Bemühungen uns Kranken eine Stimme zu geben. Lg

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Vielen Dank für Deine Geschichte und den Mut mir zu schreiben. Wenn es Dir wieder richtig gut geht – vielleicht lässt Du es uns alle wissen! Ich drücke Dir ganz fest die Daumen!!!!

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