Welchen Wert hat ein Leben in der Gesellschaft und warum wir reagieren statt zu agieren. Gedanken und Zahlen zur (finanziellen) Lage der Prävention im Bereich der psychischen Erkrankungen

Unsere (gewählten) Volksvertreter und sie beratenden (Gesundheits-) Ökonomen benötigen als Grundlage für ihre (medizin-) politischen Entscheidungen nachvollziehbares Datenmaterial – also Zahlen – Daten – Fakten.

In Zeiten begrenzter Geldmittel (und für viele nicht nachvollziehbaren Geldflüssen irgendwohin) muss nachvollziehbar sein, welcher Nutzen welchen Kosten medizinischer bzw. präventiver Maßnahmen gegenübersteht. Ein Schelm würde sagen – je nach Lobby einmal mehr und einmal weniger. Es wird also der Nutzen abgwogen wie an der Waage im Spupermarkt. Herz-Kreislauf wiegt X und Depression wiegt Y ….. sorry – our´re out!

Im Suizidpräventionsplan gibt es ein Rechenbeispiel aus der Schweiz aus dem Jahr 2002 (rund 1200 Suizide und 67.000 Versuche) in dem die Kosten pro Siuzid auf 50.165 CHF (rund 43.000 €) geschätzt werden. Ein Suizidversuch kostet rund 354.000 CHF (rund 300.000 €). Die Gesamtsumme der Kosten belief sich auf rund 2.4 Mrd. CHF (rund 2 Milliarden €). Internationale Studien sprechen von noch höheren Kosten, die mit Depression/Suizid in Verbindung stehen.

Bei der Internetrecherche findet der interessierte Leser wohl klingende Namen wie zb. Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA ist ein Prozess, in dem man sich mit der Frage auseinandersetzt, wie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung bzw. von spezifischen Bevölkerungsgruppen durch ein geplantes Vorhaben – sei es eine (politische) Strategie, ein Gesetz, ein Programm, ein Projekt oder eine konkrete Maßnahme – betroffen sein könnten. Quelle bmgf.gv.at) und ähnliches.
Konkrete Zahlen über die tatsächlichen Kosten im Bereich Depression/Suizidprävention sind hingegen sehr schwer zu finden.

Prof. Hans-Helmut König vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf formuliert es in seinem Editoral “Die Kosten der Depression und die Wirtschaftlichkeit ihrer Behandlung” ganz deutlich: …..so liegt die IKER ( inkrementelle Kosten-Effektivitäts-Relationen) für eine optimierte Behandlung im Rahmen der Primärversorgung häufig unter 20 000 USD pro QALY [19] und damit deutlich unter dem oft zitierten Schwellenwert von 50 000 USD pro QALY, bis zu dem Gesundheitsleistung im Allgemeinen als kosteneffektiv angesehen werden. Es existieren somit kosteneffektive Behandlungen der Depression, die aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive vermutlich sogar kostensparend sind, wenn indirekte Kosten berücksichtigt werden.

Pro Jahr finanzieren die Krankenkassen in ganz Österreich rund 500.000 Psychotherapiestunden (Stand 2014). Damit können lediglich 35.000 Menschen behandelt werden – jedoch erhalten 840.000 Österreicher Psychopharmaka verschrieben, davon sind zwei Drittel Antidepressiva.
Mit 35 bis 55 (Behandlungs/Therapie-) Betten pro 100.000 Einwohner liegen wir nicht nur im stationären Bereich weit hinter vergleichbaren Ländern, mit 15 Psychiatern pro 100.000 Einwohnern stehen bei uns auch deutlich weniger Fachärztinnen und Fachärzte zur Verfügung als im OECD-Durchschnitt.

Insgesamt belaufen sich bei uns die Kosten von psychischen Erkrankungen rund 11 Mrd. Euro. In Deutschland belaufen sich die Kosten auf knapp 30 Mrd. Euro … Tendenz überall steigend!

In den WHO-Berechnungen zur „Burden of Disease“ liegt die Depression auf Platz 1. Bis 2030 werden bereits drei psychische Krankheiten unter den Top 5 liegen: Depression auf Platz 1, Alzheimer und andere Formen der Demenz auf Platz 3 und die Alkoholsucht auf Platz 5. ALLE verantwortlichen Personen wissen davon – die Reaktionsfreude ist jedoch sehr gedämpft. Die wirklichen Gründe dafür werden wir letztlich nie erfahren!

Welchen Wert hat ein Mensch??
Der WHO ist ein Deutscher etwa 114.000 Euro pro Lebensjahr wert. Bei einer Lebenserwartung von 75 Jahren wäre ein Menschenleben in Deutschland also noch rund 8,5 Millionen Euro wert. Zahlen schwanken …… der Mensch bleibt jedoch immer Mensch!

Als Gesellschaft dürfen wir nicht abwägen – wir können und müssen helfen!
Wir dürfen die Verantwortung nicht so lange abschieben, bis sich das “Problem von selbst erledigt hat”.
Wir dürfen es nicht zulassen, dass Therapie und Hilfe nur denen möglich ist, die es sich leisten können – selbst der Kostenzuschuss von rund 22 Euro ermöglicht es vielen nicht sich eine Therapie leisten zu können.

Wer auf Grund seiner Erkrankung keine Arbeit mehr hat, auf Notstand angeweisen ist oder Mindestsicherung bezieht kann oft nicht einmal die Kosten des Alltags stemmen….. die Frage ist nicht – Abwärtsspirale – die Frage ist nur wie schnell sie sich dreht!

Mangel an Psychotherapie – ein Beitrag vom ZDF, der beide Seiten zeigt; die der betroffenen Personen und die der Therapeuten. Ein Projekt zur Onlinetherapie wurde aus der Not heraus geboren. www.selfapy.de

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